MTB-Freeride-Tour durch das Oberengadin und Valtellina

Damit es sich zumindest am ersten Tag nach Urlaub anfühlt, sind wir ganz entspannt am Samstag nach Ischgl ins Hotel und haben einen gemütlichen Nachmittag auf der Sonnenterrasse verbracht. Wir, das sind der Ricci, Sandro und ich. Unsere erste Transalp hatten wir vor 10 Jahren ganz klassisch von Oberstdorf an den Gardasee unternommen. 2015 sind wir in Ischgl gestartet, um über den Fimberpass (Heidelberger Hütte) nach Scoul, weiter nach Celerina und den Suvrettapass, den Bernina, Forcola di Livigno nach Livigno zu fahren. Dann sollte es weiter über den Passo Trela nach Bormio und von da hoch auf 3.000 Meter für die Abfahrt nach Sta. Caterina gehen. Nach einem Schlenkerer durch das Val dei Forni (Rifugio Pizzini) den Passo dell` Alpe hinüber nach Crosio, um dann den Mortirolo und weitere 700 Meter hinauf zu strampeln für die Abfahrt auf dem Tornantissima. Der Rückweg von Tirano sollte mit der Bahn hoch zum Bernina, runter über einen Trail und weiter mit dem Zug und dem Postbus nach Samnaun für das letzte Teilstück zurück über das Idjoch nach Ischgl gehen. Und wer jetzt meint, dass wir drei nur mit Zug und Gondel unterwegs waren, der irrt sich gewaltig. Wir sind auf den 456 km in den sieben Tagen immer noch 8.600 Höhenmeter geradelt bzw. mußten die letzten Steilstücke hinauf zum Pass schieben.

Dafür wurden wir aber auch mit satten 17.500 Tiefenmeter auf Sahnetrails belohnt. Aber zurück zum Anfang wir sind also am Sonntagmorgen voller Elan mit der Gondel hoch zum Idjoch, um den Salaasertrail und die Abfahrt auf dem Zeblastrail zur Gampenalpe und weiter zum Fimberpass zu rocken. Dummer Weise hat sich dabei Ricci gleich mal den Mantel am Hinterrad verrissen und wir mußte nach dem Zeblastrail zurück an den Start, um Ersatz zu besorgen. Somit waren wir froh, dass wir es trotz allem noch bis zum Abend auf die Heidelberger Hütte geschafft haben. Von da ging es am nächsten Morgen erst mal zu Fuß die 300 Höhenmeter rauf zum Fimberpass und danach eine super Abfahrt (1.300 tm/ 20km) hinunter nach Scoul und weiter das Tal entlang oberhalb des Inns bis zum nächsten Nachtquartier in S-Chanf. Das Oberengadin ist sagenhaft schön, wenn da nicht der kleine Haken wäre, dass die Schweiz echt teuer ist. Ich sag nur 25 Euro für eine Pizza und 9 Euro für das Bier dazu da geht einem nicht nur am Berg die Luft aus ;-)
Der Höhepunkt am nächsten Tag war die Runde um den Suvrettapass. Das erste Stück haben wir uns die Gondel bis nach Marguns gegönnt, bevor wir dann zunächst auf einem Schotterweg und dann einem schmalen Trail den Anstieg zum Pass genießen durften. Auch wenn es teilweise recht steil war, entschädigt einen das grandiose Panorama, bevor es auf einem schier endlosen, wunderschönen Trail das Val Bever nach Pontresina hinab ging. 28 Euro für ein Zugticket zum Bernina, nee, da wird geradelt und oben lieber gut gegessen. Unterwegs konnte man noch einen tollen Blick auf den Morteratsch-Gletscher erwischen. Ein Blick aus dem Fenster des Hospiz am nächsten Morgen auf die Berge und den See am Bernina war zwar imposant aber auch regnerisch – zum ersten und auch einzigen Mal auf unserer Runde. Hilft nix, rein in die Regensachen und hoch über die Forcola di Livigno hinein in das nächste Tal. Anstatt direkt nach Livigno zu rollen haben wir noch einen Abstecher in das Valle delle Mine gemacht und sind etwa 400 Meter über dem Dorf am Berg entlang und dann den Trail durch den Wald hinunter. Endlich wieder in Bella Italia, wo die Pizza nur noch 10 Euro kostet.

Das erste Steilstück zum Passo d`Eira haben wir mit der Gondel elegant umfahren, allerdings nicht den Aufstieg und die geniale Abfahrt vom Passo Trela zum Lago die Cancano und die Serpentinen hinab nach Bormio. Von da aus brachte uns die Gondel rauf auf 3.000 Meter in das Skigebiet um Bormio 3000. Oben hat man ein wahnsinns Panorama bis rüber zum Silfser Joch und natürlich hinein 4in das Tal und unser nächstes Etappenziel Sta. Caterina. Aber dazwischen lagen noch 1.200 Tiefenmeter auf einem hochalpinen Trail, der sowohl technisch anspruchsvolle Spitzkehren als auch flowige Abschnitte zu bieten hatte. In Sta. Caterina haben wir unsere Rucksäcke (ca. 7kg) im Hotel abgegeben und sind mal eben noch die 1.000 Höhenmeter rauf zum Rifugio Pizzini mit dem sensationellen Gletscherpanorama im Süden des Ortlers und einem Supertrail durch das Val dei Forni. Zum Glück war es lange hell und die Küche bis 21.00 Uhr geöffnet ;-)
In gewohnter Weise ging es am Morgen mit dem Shuttle die ersten Kehren Richtung Gavia hoch, bevor wir auf dem Bike den Abzweig zum Passo dell´Alpe nahmen und dann weiter bis Grosio. Da gab es dann genug Höhenmeter beim Anstieg auf den Passo Mortirolo und wo Pantani und Co. am Ziel waren, ging es für uns noch weitere 700 Höhenmeter elendig steil hoch zum Einstieg in den Tornatissimo. Der Name ist nicht nur der Superlativ von Tornante (Serpentine) sondern ist auch wirklich Programm, 72 Kehren im schweren Gelände mit Blick bis zum Bernina und dann hinein in den Wald, bis man schließlich nach 1.900 Tiefenmetern wieder in Grosio ausgespuckt wird. Da ist die Abfahrt mindestens genauso anstrengend wie der Anstieg, aber das Grinsen umso breiter! Der Rückweg von Tirano mit dem Zug zum Bernina, eine coole Abfahrt auf dem Trail nach Pontresina und weiter mit dem Zug nach Scoul und dem Postbus bis Samnaun waren dafür wieder ein gemütlicher Ausklang für den letzten Tag. Von Samnaun ging es dann noch mal richtig hoch bis zum Einstieg in die Tour bzw. der letzten Abfahrt am Idjoch. Dass wir drei Feiglinge die Tour alle heil überstanden hatten wurde kurz begossen, um uns in hinein in die letzte wilde Abfahrt nach Ischgl zu stürzen. Eine geniale Runde, die wir jedem unbedingt empfehlen können, der nicht nur Spaß am Bergauf sondern auch Lust auf der Bergab hat.

Frank Kühne

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