4. Platz AK für Wolfgang auf der Langdistanz beim Ironman Frankfurt

Nach mehr als 7 Monaten Vorbereitung, beginnend im November 2016 mit einem Kraulkurs, in der ich c. 92 Stunden gelaufen bin, 220 Stunden auf dem Rad saß, 80 Stunden in diversen Schwimmbädern verbrachte und 20 Stunden "Stabilisationstraining" absolvierte, fuhr ich am Freitag, 07.07.17, nach Frankfurt zu meinem Abenteuer Ironman. Neben der Abholung der Startunterlagen fand am Nachmittag die offizielle "Racebesprechung" auf den Tribünen am Römer statt. Am Samstag stand die Besichtigung der Wechselzonen, das Aufhängen der Wechselbeutel und das Eincheken des Fahrrads am Langener Waldsee auf dem Programm. Am Abend dann noch ein Missgeschick. Eine Wespe stach mich in den rechten Unterarm, der sofort zum Brennen und Jucken anfing. Nach einer unruhigen Nacht begann dann am Sonntag, 9.7., 03:30 Uhr, mein sogenannter "längster Tag". Mein Arm war inzwischen schon leicht angeschwollen und juckte immer schlimmer. Um 04:00 Uhr gabs im Hotel noch ein Athletenfrühstück, bevor uns der Hotelbus in die Nähe des Langener Waldsees brachte. Nach einem 2-km-Marsch über einen Waldweg erreichten wir den See mit der Wechselzone und dem Startbereich. Um 05:30 Uhr dann die erlösende Durchsage: Wassertemperatur 24,1 Grad, für die Altersklassenathleten ist der Neoprenanzug erlaubt.
Um 06:30 Uhr dann der Start der Profimänner, um 06:32 Uhr der Profifrauen. Imposant zu sehen, wie die loswegen. Um 06:40 Uhr begann der Start der Alterklassenathleten als sogenannter Rollingstart. Die Teilnehmer sollen sich nach ihrer geschätzten Schwimmzeit einordnen und alle 3 Sekunden werden dann 5 Athleten auf die 3,8 km lange Schwimmstrecke geschickt. Ca. um 07:05 Uhr begann für mich der Wettkampf. Zu meiner Überraschung schaffte ich es, fast die gesamte Strecke durchzukraulen und kam auf eine Schwimmzeit von 1:32 Stunden. Das war zwar die langsamste meiner Altersklasse M 65, für mich aber eine Superzeit. Ich fands auch nicht besonders anstrengend, sondern auf dem letzten Kilometer eher langweilig. Beim Wechsel aufs Fahrrad ließ ich mir Zeit, reinigte meine Füße vom Sand, bevor ich mir die Socken anzog zum Schutz vor wundgeriebenen Füßen (Erfahrung) und suchte endlich ein Dixieklo auf. Das Radfahren machte richtig Spaß. Die ersten 10 km gehts auf breiten Straßen ziemlich flach nach Frankfurt hinein, man kann richtig Gas geben und einrollen. Nach der Stadtdurchfahrt gehts bei km 20 mit einem steilen Anstieg (The Biest) aus Frankfurt hinaus in Richtung Friedberg-Hessen. In Maintal-Hochstadt erwartet einen dann eine 800 m lange Ortsdurchfahrt über holpriges Kopfsteinpflaster, bei der man Angst um sein Fahrrad bekommt. Bei km 50 dann plötzlich Aufregung. Ein Riesenpulk Motorräder (Polizei, Ordner, Kameras) sind neben einem. Und dann brausen Sebastian Kienle und Andi Böcherer an einem vorbei. Schon Wahnsinn, mit welchem Tempo die 180 km abspulen. Wenig später geht es den Hühnerberg hinauf, die längste Steigung (und steilste Abfahrt) des Kurses. Über leicht gewelltes Gelände geht es über Friedberg wieder zurück nach Frankfurt. Vor der Einfahrt in die Stadt erwartet einen aber noch in Bad Vilbel der "Heartbreak Hill", ein langezogener kerzengerader Anstieg mit einer tollen Stimmung. Wieder in Frankfurt unten am Main angekommen, schnaufte ich erstmal auf, da ich auf die 2. Runde gehen konnte. Ab 13:00 Uhr wird nämlich die Streckensperrung langsam von hinter her aufgehoben. Wer um 13:00 Uhr nicht auf der 2. Runde ist, wird aus dem Rennen genommen. Ich wollte jetzt eigentlich die 2. Runde etwas gemütlicher angehen, um mich für das Laufen zu schonen. Aber bei der Abfahrt vom Hühnerberg, siehe oben, passiert es. Wegen meiner Abfahrtschwäche konnten mich einige Fahrer überholen. Der letzte schon unten am Berg. Der scherte dann vor mir ein, richtete sich auf und wurde deutlich langsamer. Ich überlegte kurz und setzte zum Überholen an. Da ertönte neben mir ein Pfiff. Ein Kampfrichter war ausgerechnet da zur Stelle, zeigte mir die blaue Karte und erklärte mir, dass das 5 Minuten Zeitstrafe wegen Windschattenfahren bedeudete. Ich hätte mich zuerst auf die 12 m Abstand zurückfallen lassen müssen und dann erst wieder überholen dürfen. Diskussion zwecklos. Vorbei wars mit gemütlicher angehen. Ich gab nochmal Gas, saß an der nächsten Penaltybox meine Strafe ab, kämpfte mich nochmal den Heartbreak Hill hinauf und erreichte dann nach 180 km und 5:45 Stunden die Wechselzone 2. Mein rechter Unterarm und die Hand hatten aufgrund des Wespenstichs und der Haltung auf dem Rad inzwischen den doppelten Umfang des linken Unterarms angenommen. Was tun? Jetzt aufgeben? Da ich mich so noch gut fühlte und keine Kreislaufprobleme hatte, mein Knie zwar wieder leicht schmerzte aber mich nicht behinderte, lief ich einfach mal los, und zwar genau so, wie ich es mir vorgenommen hatte. Immer 2,5 km laufen, dann an der Verpflegungsstelle genügend trinken und etwas essen. Zusätzlich kühlte ich an den Verpflegungsstellen, an denen es Eis gab, meinen Arm und spulte so die 4 Runden entlang des Mains ab, bevor es den Römer hinauf ins Ziel ging.
Nach 4:30 Stunden Laufzeit und einer Gesamtzeit von 12:01 Stunden lief ich durch ein Spalier von klatschenden und anfeuernden Zuschauern und vollbesetzten Tribünen durchs Ziel. Ein tolles Gefühl. Hinter dem Ziel werden die Teilnehmer von Betreuern empfangen und befragt. Als "mein" Betreuer den geschwollenen Arm sah, brachte er mich sofort ins Athletendorf zu einem Arzt, der mich erstmal schimpfte, dass ich das nicht früher untersuchen lassen habe, verpasste mir dann eine Kortisonspritze und ein Infusion und empfahl mir dringend, einen Allergietest machen zu lassen.
Die 12:01 Stunden bedeuten Rang 4 von 13 im Ziel der Alterklasse M 65 und Rang 1388 von 2170 Männern im Ziel (2600 Starter insgesamt).

Wolfgang